19. Mai 2010 /OTZ

Tödliches Fingerwackeln

Autor und Journalist Roman Grafe (vorn) und Hardy Schober, dessen Tochter in Winnenden erschossen wurde, sprachen in der Bibliothek mit Lessing-Schülern über Amokläufe an Schulen.
Autor und Journalist Roman Grafe (vorn) und Hardy Schober, des-
sen Tochter in Winnenden erschossen wurde, sprachen in der
Bibliothek mit Lessing-Schülern über Amokläufe an Schulen.
Foto: OTZ/Christian Freund

Hardy Schober berichtet in Greiz über den Tod seiner Tochter durch einen Amokschützen

Katja Grieser Greiz.

Als Hardy Schober gestern die Greizer Bibliothek betrat, in der die Achtklässler der Lessing-Regelschule auf ihn warteten, war ihm nicht anzumerken, dass ihm der Gang schwerfiel. Die Jugendlichen, die dort saßen, sind ungefähr im gleichen Alter wie seine Tochter vor gut einem Jahr war. Jana lebt nicht mehr, sie wurde am 11. März 2009 beim Amoklauf in Winnenden erschossen. Dieses Schulmassaker war auch der Grund, weshalb es Schober nach Greiz verschlagen hatte. Gemeinsam mit Autor Roman Grafe wollte er mit den jungen Leuten über Gewalt an Schulen reden. Schober und Grafe haben nach dem Amoklauf in Winnenden unabhängig voneinander Aktionsbündnisse ins Leben gerufen. Beide verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich jedoch in der Intensität der Forderungen. Während Roman Grafes Initiative ein rigoroses Verbot von Sportwaffen fordert, sind Hardy Schober und seine Mitstreiter dafür, großkalibrige Waffen verbieten zu lassen. Einig sind sich beide Männer jedoch, dass sich nach den Amokläufen an Schulen wie in Erfurt oder Winnenden so gut wie noch nichts in puncto Waffengesetz getan habe. Hardy Schober versuchte, den Schülern zu erklären, welche Kraft eine großkalibrige Waffe hat. „In Winnenden benutzte der Täter eine Neun-Millimeter-Waffe. Selbst eine Ziegelmauer könnte euch da keinen Schutz bieten“, so Schobert, der den Jugendlichen auch erläuterte, warum er sich bereits kurz nach dem Tod seiner Tochter so für das Aktionsbündnis und die inzwischen entstandene Stiftung gegen Gewalt an Schulen eingesetzt hat: „Das ist meine Art Trauerbewältigung.“ Ohne den gewaltsamen Tod seines Kindes,


Meine Tochter ist mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet worden.

Hardy Schober, Vater der beim Amoklauf in Winnenden ermordeten Jana


gab er zu, hätte er sich gewiss nie mit solcher Kraft für das Verbot der Großkaliberwaffen und von Killerspielen - eine weitere Forderung - eingesetzt. „Zeitweise war ich fast nicht mehr zu bremsen, habe 18, 20 Stunden am Tag gearbeitet“, erzählt Hardy Schober. Schober versuchte es zu verbergen, doch die Antworten auf die Fragen nach dem Tathergang und wie er erfahren hat, dass seine Tochter zu den Opfern gehörte, gingen ihm nicht leicht über die Lippen. „Meine Tochter ist mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet worden“, sagt er. Als der Täter gemerkt hat, dass er offenbar die „falsche“ Klasse erwischt hatte, habe er seinen tödlichen Zug durch die Schule an anderer Stelle fortgeführt. „Meine Tochter war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Sie war das dritte Opfer, sie hatte keine Chance“, erzählt ihr Vater. Natürlich wissen Hardy Schober und Roman Grafe in Anspielung auf den Amoklauf im bayerischen Ansbach, dass auch mit Messer, Axt oder Molotow-Cocktails Menschen verletzt oder getötet werden können. „Doch mit einem Fingerwackeln so viele Menschen in so kurzer Zeit umzubringen, das geht nur mit Waffen“, bringt es Autor Grafe auf den Punkt. Deshalb setzt er sich dafür ein, dass Sportwaffen verboten werden. Als Vertreter der beiden Aktionsbündnisse werden Hardy Schober und Roman Grafe am 18. Juni Listen mit tausenden gesammelten Unterschriften an den Bundestag übergeben. Enttäuscht muss Grafe jedoch zugeben, dass er sich bedeutend mehr Resonanz auf seinen Vorstoß erhofft hatte: Gerade einmal 8000 Befürworter konnten er und seine Mitstreiter zur Unterschrift bewegen. Was ihn zu der ernüchternden Annahme bringt, dass die Lobby der zwei Millionen Sportschützen in Deutschland offenbar größer sei als zunächst angenommen.

Kommentar

Keine Lösung

Von Katja Grieser

Verärgert wirkte Autor Roman Grafe gestern in Greiz: Ziel seines Zorns waren Politiker, die trotz traumatischer Vorfälle wie in Erfurt und Winnenden kaum handeln würden. Er wirft ihnen vor, dass es ein verschärftes Waffengesetz nur deshalb noch nicht gebe, weil die Politik fürchte, Wähler zu verlieren. Denn, so sein Argument, zwei Millionen in Vereinen organisierte Sportschützen seien eine große Macht. Mag sein, dass an den Unterstellungen von Grafe ein Fünkchen Wahrheit dran ist. Doch ist auch klar, dass Amokläufe nicht durch Waffenverbote bekämpft werden. Es wird dem potenziellen Amokläufer damit nur schwerer gemacht, an eine Waffe heran zu kommen. Die Ursachen, weshalb Menschen gezielt oder wahllos töten, sind an anderer Stelle zu suchen. Killerspiele, übermäßiger Computerkonsum, das Flüchten in virtuelle Welten, das Schulsystem, die durch allzu intensive Berichterstattung „heroisierten“ Täter - Hardy Schober, der seine Tochter in Winnenden verloren hat, hat vielfältige Ursachen ausgemacht. Verbote allein sind jedenfalls nicht die Lösung des Problems.


19. Mai 2010 /OTZ

Stausee Albersdorf zum Baden geeignet

Untersuchungsergebnisse sind in Ordnung

Berga (OTZ/-lz).

„Zum Baden geeignet“ heißt das Prädikat des Thüringer Landesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz nach Vorliegen der Laborergebnisse zur Wasserqualität in den Badegewässern des Landkreises Greiz. Neben den Naturbädern in Triebes und Münchenbernsdorf hatten die Mitarbeiter des Greizer Gesundheitsamtes am 11. Mai 2010 auch Wasserproben zur Untersuchung aus dem Stausee in Albersdorf bei Berga entnommen. Auf der Internetseite der Behörde ist aktuell nachzulesen, dass es auch im Albersdorfer Naturbad weder sichtbare Verschmutzungen noch Blaualgen oder andere Beeinträchtigungen der Wasserqualität gibt. Einem Sprung ins kühle Nass steht also eigentlich nichts im Wege - außer der Tatsache, dass es wirklich sehr kühl ist. Nur 13,1 Grad Celsius haben die Kontrolleure am 11. Mai in Albersdorf gemessen. Ganz anders hatte es zur Kontrolle am 27. August 2009 ausgesehen - gemütliche 23 Grad Wassertemperatur standen in der Sommersaison in Albersdorf zu Buche. Am Pfingstsonntag, so die Auskunft aus dem Freizeitpark Albersdorf. wird das Freibad seine Tore öffnen. Wetterabhängig ist jeweils von 10 bis 20 Uhr geöffnet.


19. Mai 2010 /OTZ

Bürgersprechstunde des Petitionsausschusses

Terminvereinbarung ab sofort möglich

Greiz (OTZ).

Der Petitionsausschuss des Thüringer Landtags bietet Sprechstunden für Bürger an. Die Sprechstunden werden von dem Vorsitzenden des Petitionsausschusses, Fritz Schröter (CDU), und anderen Landtagsabgeordneten durchgeführt. Die nächste Bürgersprechstunde des Petitionsausschusses findet statt am Dienstag, dem 1. Juni, von 14 bis 18 Uhr, im Landratsamt Greiz, 07973 Greiz, Weberstraße 1, Neubau, Beratungsraum 5. Ebene. Interessierte werden gebeten, unter Tel.: (0361) 3 77 21 35 Termine für die Sprechstunde zu vereinbaren. Wer nicht die Möglichkeit hat, den Termin am 1. Juni wahrzunehmen, kann sich auch schriftlich an den Thüringer Landtag, Petitionsausschuss, Jürgen- Fuchs-Str. 1, 99096 Erfurt, wenden. Der Petitionsausschuss befasst sich mit sozialen Angelegenheiten, Kommunalabgaben, Umweltproblemen, Fragen der öffentlichen Ordnung oder auch baurechtlichen Angelegenheiten. Die Zuständigkeit des Thüringer Landtags ist insbesondere gegeben, wenn Stellen betroffen sind, die der Aufsicht des Freistaats unterliegen. Privatrechtliche Angelegenheiten, wie Mietstreitigkeiten, kann der Petitionsausschuss nicht überprüfen. Der Petitionsausschuss kann auch nicht in gerichtliche Verfahren eingreifen oder gerichtliche


19. Mai 2010 /OTZ

Den Tiernachwuchs begrüßen

Vom Tiergehege bis zur Töpferwerkstatt gibt es in Waldhaus viel zu entdecken

Von Susann Grunert Waldhaus (OTZ).

„Wenn am Morgen hier die Vögel zwitschern, ist das schon idyllisch“, sagt Tierpfleger Thomas Hempel über seine Arbeitsstätte, das Tiergehege in Waldhaus. Gerade lugt die Sonne durch die Wolken, taucht das Laub der umstehenden Bäume in ein Farbenspiel von Hell- bis Dunkelgrün. Nicht nur zu Pfingsten lädt das Tiergehege auf einer Fläche von zirka drei Hektar zum Besuch der rund 20 verschiedenen Tierarten ein. „Ziegen, Schafe und Mufflons haben schon Nachwuchs, das Rotwild folgt bald“, erzählt Hempel. Kleine und große Gäste können auch junge Meerschweinchen und Kaninchen im Tiergehege begrüßen. Wem zum Feiertag der Sinn mehr nach Historie steht, kann sich im benachbarten Mausoleum über die Reußen-Grabstätte informieren, die der letzte regierende Fürst Heinrich XXII. Reuß älterer Linie im Jahr 1878 in Auftrag gab. „Am Pfingstmontag haben wir von 13 bis 18 Uhr geöffnet“, informiert Manfred Lemke. Unerschrockene können die Treppen zur Gruft hinabsteigen, in der nur drei Reußen - Fürstin Ida, Heinrich XXII. und deren einziger Sohn Fürst Heinrich XXIV. - bestattet wurden. Deren Särge wurden jedoch nach mehreren Plünderungen 1969 aus dem Mausoleum entfernt. Die sterblichen Überreste befinden sich heute in der Greizer Stadtkirche. Die wechselvolle Geschichte des 1997 nach Sanierung wiedereröffneten Mausoleums können Besucher an Schautafeln verfolgen. „Von 6 bis 6 und darüber hinaus“, können Pfingst-Ausflügler auch einen Blick in die Keramikwerkstatt von Ralf Naundorf werfen, wie der Waldhäuser Töpfermeister augenzwinkernd verrät. In den Regalen voller großer und kleiner keramischer Schätze lässt sich prima stöbern. Zur Einkehr lädt Ines Mulack die Waldhaus-Besucher in „Peters Imbiss“ ein. „Wir haben am gesamten Pfingstwochenende von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet“, erzählt sie. Tische, Stühle und Sonnenschirme sind schon feiertagsfein gemacht und warten auf Gäste, die hier wie überall in Waldhaus die erholsame Ruhe genießen können.


19. Mai 2010 /OTZ

Nach den Sternen am Pophimmel greifen

Melanie Riedel bei Bundeswettbewerb

Von Katja Grieser Greiz/Lübeck.

Die 17-jährige Berufsschülerin Melanie Riedel wird am Sonntag nach den Sternen greifen. Und zwar nach denen am Pophimmel. Denn die junge Frau nimmt in Lübeck am Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Bereich Popgesang teil. Insgesamt werden sich am kommenden Wochenende 2500 Teilnehmer der Jury stellen. In ihrer Altersgruppe hat die Nachwuchssängerin knapp 40 Konkurrenten, im kompletten Bereich Popgesang gibt es 160 Anwärter auf den Titel. Begleitet wird Melanie Riedel von ihrem Lehrer, dem Greizer Musikschulchef Ingo Hufenbach. „Es geht hier vor allem darum, dabei zu sein“, ist Hufenbach mit Blick auf den Erfolg der Teilnahme bescheiden. Es überhaupt bis zum Bundesausscheid geschafft zu haben, sei eine große Leistung, so der Musikpädagoge. Singen wird Melanie Riedel u. a. „Irgendwas bleibt“ von Silbermond und „And So It Goes“ von Billy Joel, aber auch eine Eigenkomposition. „Open Your Eyes“ heißt der Titel, den sie eigentlich selbst auf der Gitarre begleitet. Für den Wettbewerb hat Ingo Hufenbach jedoch extra noch eine Klavierbegleitung geschrieben. „Das rockt besser“, meint er. Melanie Riedel, die bereits Lampenfieber hat, ist am Sonntag um 10 Uhr die erste Kandidatin an diesem Wettbewerbstag, die ihr Können präsentieren wird.


19. Mai 2010 /OTZ

Polens bester Koch zu Gast

Christian Obst, stellvertretender Küchenchef im Bio-Seehotel, Janusz Zabaglo, Polens bester Koch, und Küchenchef Marco Lange sowie Dolmetscher Kalaudia Baniasowsua (v. r.) probieren schon mal den angesetzten Sud für die Suppe des polnischen Spezialitätenbuffets am Sonnabend.
Christian Obst, stellvertretender Küchenchef im Bio-Seehotel,
Janusz Zabaglo, Polens bester Koch, und Küchenchef Marco Lange
sowie Dolmetscher Kalaudia Baniasowsua (v. r.) probieren schon
mal den angesetzten Sud für die Suppe des polnischen Spezia-
litätenbuffets am Sonnabend.
Foto: OTZ/Heidi Henze

Janusz Zabaglo wird im Bio-Seehotel Zeulenroda über die Schulter geschaut

Von Heidi Henze Zeulenroda (OTZ).

„Kochen ist mein Leben“, verkündet Janusz Zabaglo, Polens bester Koch. Seit Montag ist der 26- Jährige zusammen mit seiner Freundin Jaeen Rajnsz Gast im Bio-Seehotel Zeulenroda. Natürlich darf er sich auch kreativ bestätigen und ist somit Hauptakteur der polnischen Tage im Vier-Sterne-Hotel. Wenn Janusz am Freitag für alle Besucher des Zeulenrodaer Hotels ein Drei-Gang-Menü zaubert - mit Perlhuhn auf polnische Art mit Spargel und Spinat an Pfirschsoße und Buchenweizen und einer Dessertvariation mit Wodka flambiert, - dann werden ihm die Köche des Hauses über die Schulter schauen. Ebenso auch am Sonnabend, wenn ein Spezialitätenbufett auf der Karte steht : Der polnische Meisterkoch wird Fischvariationen mit Apfel auf Meerrettichmus, Spargel mit Krebsschwänzchen, Ziegenkäsesalat, eine altpolnische Sauerteig-Suppe, Filet vom Zander und viele andere leckere Speisen zubereiten. Für Janusz Zabaglo, der als Küchenchef in einem Strand-Restaurant in Krakow arbeitet, ist diese doch etwas ungewöhnliche Urlaubs-Abwechslung kein Problem. All sein Herzblut legt er in die von ihm zubereiteten Speisen. Dazu kommt, dass er es liebt, wenn er seine Emotionen und Kreativität in Gänge-Menüs verwandeln kann. Dass hat wohl auch Marco Lange, Küchenchef des Bio- Seehotels Zeulenroda gefallen, als er im vergangenem Jahr in der Jury beim Euro-Gastro-Wettbewerb in


Ich möchte die traditionelle Küche Polens einfach verfeinern, moderner gestalten. Die Ideen dazu kommen beim Kochen.

Janusz Zabaglo, Gewinner des Euro-Gastro-Kochwettbewerbs


Warschau das Können der Teilnehmer zu beurteilen hatte. Nachdem der Zeulenrodaer sich vom Können und der Kreativität der Köche überzeugt hatte, lobte er spontan einen Sonderpreis für den Wettbewerbsbesten aus: Eine Woche Aufenthalt im Bio- Seehotel in Zeulenroda, natürlich darf der Gast hier sein Können unter Beweis stellen. In dieser Woche lassen es sich Janusz und seine Freundin aber auch gut gehen und probieren die Thüringer Küche. Rostbratwurst und Karpfen Vogtländischer Art will er unbedingt kosten. Spargelsuppe mit Orangen gabs bereits,das war für ihn neu, doch sehr schmackhaft, wie er betont. Anregungen holt er sich mit dem Ziel, die traditionelle Küche Polens zu verfeinern, moderner zu gestalten. Ideen findet er eigentlich überall, auch schon mal während einer Autofahrt, übersetzt sein Dolmetscher Kalaudia Baniasowsua. Janusz selbst spricht weder Deutsch noch Englisch und kannte Deutschland nur aus Büchern, viel weniger war ihm die schöne Landschaft Thüringens und erst recht Zeulenrodas bekannt. Mittlerweile findet er es sehr schön am Wasser, hat Erfurt gesehen und will unbedingt noch ins Waikiki. Dass im Seehotel ausschließlich Bio-Produkte verwendet werden, damit hat er kein Problem. Wenngleich ihm ein richtiges Stück Rindfleisch lieb ist, so kann es wohl auch vom Bio-Hof stammen. „


19. Mai 2010 /OTZ

Das weiße Gold der Reußen

Der Förderverein der Greizer Museen auf den Spuren des ehemals Thüringer Porzellans in Fraureuth.
Der Förderverein der Greizer Museen auf den Spu-
ren des ehemals Thüringer Porzellans in Fraureuth.

Greizer Verein in Fraureuther Ausstellung - Porzellanfabrik einst mit 1200 Mitarbeitern

Von Michael Hendel Greiz/Fraureuth (OTZ).

Seit Mitte April erlaubt die Ausstellung im Greizer Unteren Schloss einen hervorragenden Einblick in das kurze, aber erfolgreiche Wirken der 1865 in Fraureuth gegründeten Porzellanfabrik. Was der gebürtige Crimmitschauer Georg Bruno Födisch und sein Vetter Arved von Römer aus Mangel an einer passenden Immobilie in Greiz im damals zum Fürstentum Reuß gehörenden Fraureuth entstehen ließen, erlangte Weltruhm. Die Greizer Exposition hat viel zu bieten. Doch wem die rund 250 Ausstellungsstücke nur als ein Teil vom Ganzen erscheinen, sollte das ehemalige „Herrenhaus“ der Porzellanfabrik in Fraureuth besuchen. So besuchten die Mitglieder des Fördervereins der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz die der Fraureuther Porzellanherstellung verpflichtete Ausstellung. Im 2006 eröffneten und unter großem Aufwand sanierten Gebäude gab es einen überaus interessanten Einblick in rund 60 Jahre Porzellanherstellung. Was 1865 in einer Ex-Wollkämmerei begann, 1866 60 Arbeiter an nur zwei Öfen beschäftigte, errang zur Weltausstellung in Sydney 1879 einen 1. Preis. Rasant entwickelte sich das Unternehmen: 1885 waren es schon 600 Mitarbeiter. 1896 ist die Porzellanfabrik eine der größten in Deutschland mit 8,5 Hektar Fabrikgelände, neun Rundöfen, 18 Muffelöfen und beschäftigte neben den Arbeitern allein 200 Porzellanmaler - fern von Lagerstätten der Grundstoffe und ohne Bahnanbindung eine große Leistung. Die Vereinsmitglieder erfuhren von der Ansiedlung des Verbandes der Porzellanmaler in Fraureuth und der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Aufgrund der wachsenden Nachfrage werden Werkstätten in Dresden und Lichte eingerichtet und die Wallendorfer Porzellanmanufaktur erworben. Der 1. Weltkrieg geht fast spurlos vorbei und unter dem Spiegelmonogramm „Römer & Födisch - Fraureuth“ gab es in dieser Zeit 1200 Beschäftigte. Zahlreiche soziale Leistungen wurden bereitgestellt. Doch die noch nicht ausgereifte Technik der 76 Meter- Brennöfen bescherte viel Ausschuss. Hohe Erwartungen, interne Zerwürfnisse über Produktlinien, Preisdruck und Steuerschulden führen 1926 zum Konkurs der Porzellanfabrik Fraureuth AG. Die Produktion endet nach rund 61 Jahren. Es wird eine „Fraureuther Porzellanfabrik Aktiengesellschaft“ neu gegründet, doch es wird nie produziert. 1934 wird die Gesellschaft gelöscht. Danach schauten sich die Besucher eine weitere Ausstellung im „Herrenhaus“ an. Es offenbart sich Meisterliches. Kopien berühmter Galeriebilder auf Porzellan, Figuren mit einzigartiger Detailtreue und Farbgebung lassen vergleichbare Werke Meißner Porzellanherstellung weit hinter sich. Dabei handelte es sich um Thüringer Porzellankunst, denn Fraureuth gehörte zum Fürstentum Reuß älterer Linie und ging 1920 in Thüringen auf. 1952 wurde Thüringen aufgelöst. Der neue Kreis Greiz enthielt nicht mehr das Gebiet um Fraureuth. Aus dem Landkreis Greiz wurde Fraureuth schließlich an den Kreis Zwickau-Land ausgegliedert.


19. Mai 2010 /OTZ

Die Greizer Reußen im 19. Jahrhundert

Sven Klein
Sven Klein

Vom Sonntagsgespräch des VAVH

Von Dr. Frank Reinhold Hohenleuben.

Das Sonntagsgespräch des Hohenleubener Altertumsvereins war am 16. Mai dem Fürstlichen Haus Reuß Greiz im 19. Jahrhundert gewidmet. Sven Klein, ausgewiesen etwa durch Monographien zum Thema, machte den Umbruch vom Feudalismus zur bürgerlichen Gesellschaft erlebbar. Er begann mit Heinrich XI. (1722-1800), der eine neue Ära einleitete. Er ließ umfangreiche Umbauten am Oberen Schloss vornehmen und das Sommerpalais errichten. Er hatte elf Kinder. Die Regentschaft übernahm Heinrich XIII. (gestorben 1817), von Kaiser Franz II. zum Generalzeugmeister ernannt. Durch geschickte Verhandlungen mit Napoleon erreichte er für sein Land Schonung und Milderung von Plünderungen. Obwohl ihm angeboten wurde, in französische Dienste zu treten, blieb er als Privatmann dem österreichischen Kaiserhaus treu. Dies führte dazu, dass sein Land 1815 auf dem Wiener Kongress eigenständig blieb. Er ließ, teils gegen heftigen Widerstand Greizer Bürger, den Obergreizer Lustgarten zum Park im englischen Stil umbauen. In seine Zeit fällt der Brand von 1802, in dessen Folge das Untere Schloss errichtet wurde. Heinrich XV., ein Bruder, war etwa Generaladjutant von Kaiser Joseph II., Feldzeugmeister und Feldmarschall, kämpfte gegen Napoleon und wurde Gouverneur von Venedig. Eine Tafel für den 1825 verstorbenen Reußen ist in der Greizer Stadtkirche. Nach dem Tod von Heinrich XIII. regierte der älteste Sohn Heinrich XIX. (1790-1836). In seine Zeit fällt der Zeulenrodaer Stadtbrand von 1818. Er ließ das Gebäude der Hauptwache errichten und die Stadtkirche fertig stellen. Prägend war die wohltätige Gattin Gasparine. Weil Heinrich XIII. früh starb und keinen Sohn hatte, kam Bruder Heinrich XX. (1794-1859) an die Macht. Er baute vor allem das Militärwesen aus. Die zweite Frau Caroline von Hessen-Homburg übernahm 1859 die Regentschaft für ihren unmündigen Sohn. Mit ihr verbunden sind die Kupferstichsammlung und die Gründung von Carolinenfeld. Ihre Treue zu Österreich brachte Greiz 1866 die preußische Besetzung; die Strafe von 10 000 Talern beglich sie zur Hälfte privat. Ihr Mann hatte etwa den Beitritt zur Münzkonvention (1839), die Aufhebung der Patrimonialgerichtsbarkeit (1841) und der Frondienste (1853) sowie ein Grundsteuergesetz (1857) bewirkt. Die von ihm 1848 initiierte Verfassung trat erst mit dem Antritt von Sohn Heinrich XXII., zugleich letzter regierender Fürst der Älteren Linie, in Kraft. Unter der Regentschaft des Letztgenannten betrat Greiz das Industriezeitalter. Der Greizer Park, mehrere neue Kirchen (Herrmannsgrün, Pohlitz, Aubachtal), Schulneubauten, die Gründung des Heinrichstifts in Zeulenroda als Kleinkinderbewahranstalt, das Jagdschloss Ida Waldhaus und das Mausoleum, der Marstall und das Landkrankenhaus zeigen sein Wirken. Er schaffte es, dass sein Kleinstaat als einziger in Deutschland schuldenfrei blieb.


19. Mai 2010 /OTZ

Kleinreinsdorfer Mädchen faszinieren

Hans Lenßner (rechts) und Gerhard Eichhorn.
Hans Lenßner (rechts) und Gerhard Eichhorn.
Foto: OTZ/Steffen Beikirch

Viel Lob bei den Kreisjugendspielen im Turnen/Vierkampf

Von Steffen Beikirch Auma (OTZ).

111 Mädchen und Jungen aus dem Landkreis gaben letzte Woche ihr Bestes. Bei den Kreisjugendspielen im Vierkampf der Turner wetteiferten Aktive bei Schul- und Vereinsmeisterschaften in der Sporthalle Moßbacher Straße in Auma. Geturnt wurde eine Kür am Boden, über den Sprung, auf dem Schwebebalken sowie am Reck oder am Stufenbarren. Als Kampfrichter betätigten sich Sportlehrer verschiedener Schulen, darunter Hans Lenßner und Gerhard Eichhorn als die beiden Ältesten. Sie waren begeistert, als die Mädchen des Turnvereins Kleinreinsdorf (1. und 2. Klasse der Grundschule Teichwolframsdorf) anrückten. „Super! Das ist ein richtiger Vorbeimarsch“, schwärmte Hans Lenßner. So gute Turnübungen habe er bei Kreisjugendspielen selten gesehen. „Wenn der Kampfrichter begeistert ist, muss es schon gut sein“, bestätigte Gerhard Eichhorn das Urteil. Körperhaltung und Ausstrahlung der Mädchen seien einfach perfekt. Gespannt schauten anschließend Sophia Kroll und Jenny Farr zu, wie die zwei Sport- Senioren die Punkte zusammenrechneten. Katrin Köhler, Sektions- und Übungsleiterin aus Kleinreinsdorf, hörte deren Worte natürlich mit großer Freude. Auch die anderen Teilnehmer, die als Riege die Stationen wechselten, zeigten sich von ihrer Schokoladenseite. Ob die schicken, blau gekleideten Mädchen des TSV Zeulenroda, die Jungen der Zeulenrodaer Pestalozzi-Schule im Bauerfeind- Trikot oder die kleinen Aumaer Turner, unter denen schon richtige Muskelpakete waren. Weitere Starter unter den 6- bis 14-Jährigen kamen aus Weißendorf, Triebes und Hohenölsen.


19. Mai 2010 /OTZ

Zu großer Respekt vor dem Tabellenführer

Handball, weibliche B-Jugend, Oberliga
TSG Concordia Reudnitz - HSG Nordhausen 16:19 (7:12)

Reudnitz (OTZ/G. Bölke).

Beide Teams wurden noch vor dem Spiel für den jeweils ersten Staffelplatz in der Vorrunde ausgezeichnet, dann erst konnte die Begegnung angepfiffen werden. Wie sich bereits am Anfang zeigte, hatten die Reudnitzer Mädchen zu großen Respekt vor dem Tabellenführer. Sie lagen nach wenigen Minuten mit 1:4 im Rückstand. Schon in der zwölften Spielminute nahm die Trainerin Time out, um auf die Spielerinnen beruhigend und positiv einzuwirken. Bis dahin waren bereits über zehn Angriffe ohne zählbaren Torerfolg gelaufen. Auch die Phase mit Überzahl Mitte der ersten Halbzeit nutzten die Gastgeberinnen nicht konsequent genug. Bis zur Pause hatte Nordhausen fünf Tore vorgelegt. Nach dem Seitenwechsel wuchs der Vorsprung auf sieben Tore. Doch die Concordia kämpfte sich noch einmal heran, erzielte Gleichwertigkeit und hatte am Ende die zweite Halbzeit sogar mit zwei Toren gewonnen, das Spiel jedoch verloren. In der Oberliga-Endrunde belegt Reudnitz weiter den zweiten Tabellenplatz und wird in den Rückspielen gegen Werratal und Nordhausen alles geben, um auf das Siegertreppchen zu kommen.
Reudnitz mit: M. Lohmeier, L. Storm-Johannsen, H. Hohmuth 5, E. Hoyer, A. Stecklum, I. Hoyer 1, B. Grau, Li. Hupfer 6 (3), Le. Hupfer 4 (3).


19. Mai 2010 /OTZ

Kurz notiert:

Am Freitag wieder Wochenmarkt

Begehrt sind zurzeit Pflanzen für Garten und Balkon, die auf dem Greizer Wochenmarkt, der jeweils dienstags und freitags stattfindet, angeboten werden. So manchen guten Tipp hat Silke Pflau (links) für Lilli und Kerstin Feustel (Mitte) parat.
Foto: OTZ/Christian Freund

Begehrt sind zurzeit Pflanzen für Garten und Balkon, die auf dem Greizer Wochenmarkt, der jeweils dienstags und freitags stattfindet, angeboten werden. So manchen guten Tipp hat Silke Pflau (links) für Lilli und Kerstin Feustel (Mitte) parat.


Göltzschtalradlertag

Erstmals stand beim Göltzschtalradlertag eine Strecke auf dem Programm, die vom sächsischen Ort Mühlwand über Reinsdorf nach Greiz und zurück übers Göltzschtal zum Alaunwerk führte. 250 Teilnehmer gingen bei diesem länderübergreifenden Familienradeln, das von den anliegenden Kommunen organisiert wurde, an den Start.
Foto: OTZ/Freund

Erstmals stand beim Göltzschtalradlertag eine Strecke auf dem Programm, die vom sächsischen Ort Mühlwand über Reinsdorf nach Greiz und zurück übers Göltzschtal zum Alaunwerk führte. 250 Teilnehmer gingen bei diesem länderübergreifenden Familienradeln, das von den anliegenden Kommunen organisiert wurde, an den Start.


Karikatur des Tages

Goldrausch
Goldrausch
Zeichnung: OTZ/Bruns


Tourist-Info öffnet über Pfingsten

Greiz (OTZ).

Am Pfingstwochenende hat die Greizer Tourist- Information im Unteren Schloss vom 22. bis 24. Mai jeweils 10 bis 17 Uhr für Bürger und Besucher geöffnet.


Ermittlungen laufen zu Schlägerei am Männertag

Mindestens zwei Personen schwer verletzt

Greiz (OTZ/-lz).

Der Männertag 2010 hat, wie sich inzwischen herausstellte, doch noch einige Nachwehen. Die Polizei bildete für die Ermittlungen wegen mindestens zwei Körperverletzungsdelikten eine Sonderkommission aus Beamten der Kriminalpolizei Gera und Ermittlern der Polizeiinspektion Greiz. Offensichtlich hatte es im Bereich Neumühle - Nitschareuth - Waldhaus Schlägereien gegeben, bei der zwei Ausflugsgruppen aneinander geraten waren. Mindestens zwei Personen wurden dabei schwer verletzt, mussten ärztlich behandelt werden. „Wir ermitteln gegenwärtig in alle Richtungen“, sagt dazu PI-Leiter Mike Schramm. Auch politisch motivierte Hintergründe können momentan nicht ausgeschlossen werden. Konkreter wollte sich Schramm zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht äußern.


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