19. April 2010 /OTZ

Schauen und Staunen

Zahlreiche Besucher bummeln bei herrlichem Frühlingswetter über den Gebrauchtwagenmarkt im Greizer Schlossgarten.
Zahlreiche Besucher bummeln bei herrlichem Frühlingswetter über
den Gebrauchtwagenmarkt im Greizer Schlossgarten.
Foto: OTZ/Susann Grunert

Viel Trubel zum Gebrauchtwagenmarkt im Schlossgarten - Flohmarkt lockt Sammler an

Von Susann Grunert Greiz (OTZ).

Zum Gebrauchtwagenmarkt „Greiz ist mobil" strahlten die Karossen am Sonnabend mit der Sonne um die Wette. Im Schlossgarten vor dem altehrwürdigen Unteren Schloss hatten neun Autohäuser ihre besten Exemplare auf Hochglanz poliert. Gebrauchte und Neuwagen luden zum Probesitzen ein. Das warme Frühlingswetter genoss Evelin Brückner bei einer Solotour durch den Schlossgarten. „Also, das ist ja ein ganz toller Flitzer", entfuhr es ihr, als ihr Auge auf die schnittigen Kurven eines schwarzen Opel GT fielen, „den würde ich ja sofort kaufen, der ist bestimmt schön schnell", träumte die Greizerin, die sich dann aber mit mehreren Fotos des Flitzers für zu Hause begnügte. Praktischere Gründe führten bei Jessica Händel und Martin Pflock zum Besuch auf dem Automarkt. Die beiden jungen Greizer hielten Ausschau nach einem Kleinwagen: „Wir orientieren uns Richtung Ford Fiesta oder Opel Corsa", erzählt Jessica, „denn wir machen beide demnächst den Führerschein." An Kandidaten fürs erste Auto mangelte es den beiden sicher nicht. Denn unzählige Automodelle konnten von den Besuchern

genau unter die Lupe genommen werden. Doch auch die Zweirad-Freunde kamen nicht zu kurz. Auf heißen Maschinen fuhren die Models des Mode- und Showteams zur Biker-Modenschau vor. Heiß wurde es den Frauen und Männern dann sicher auch in Motorradjacke, Funktionswäsche, Helm und Co., die sie auf der großen Treppe vorstellten. Wer voi Pferdestärken, Turbolader und Chrom genug hatte, konnte nur ein paar Schritte weiter in die Welt des Trödels eintauchen. Zum Flohmarkt „Für Jung und Alt" schlugen wieder die Herzen der Jäger und Sammler höher. „Wir schauen nach Babysachen für meine Schwester", erzählte eine junge Frau aus Kleinreinsdorf. Krimskrams aus Glas und Porzellan präsentierte der Stand nebenan. Auch Bücher, DVDs und CDs, Vasen, Münzen, Abzeichen und jede Menge Spielzeug konnten clever Handelnde günstig mit nach Hause nehmen. Schwungvolle Dixielandklänge der Watzdorf Honky Tonk rundeten diesen bunten Marktplatz zum Schauen und Staunen vor dem Unteren Schloss ab.

Kommentar

Terminstau

Von Susann Grunert

Wer sich am Wochenende in Greiz die Zeit vertreiben wollte, konnte dabei aus unzähligen Varianten wählen. Probesitzen im schicken Flitzer auf dem Gebrauchtwagenmarkt, zum Tag der offenen Tür in der Musikschule einmal kräftig ins Horn blasen oder nach kleinen Schätzen auf dem Flohmarkt „Für Jung und Alt" stöbern — unendliche Möglichkeiten boten sich allein am Sonnabend in der Vogtlandstadt. Dass sich bei diesem Terminstau das Besucherinteresse keinesfalls äquivalent auf alle Veranstaltungen verteilen muss, bekamen vor allem die Flohmarktständler zu spüren. Nur wenige Automarkt-Gäste weiteten ihren Bummel auf den Markt gleich nebenan aus. Vom am schlechtesten besuchten Flohmarkt der letzten Zeit war unter den Anbietern die Rede. Ein ärgerlicher Umstand, der vermeidbar gewesen wäre. Denn nicht immer ist mehr gleich besser.


19. April 2010 /OTZ

Von Drachenlampe bis Parfümverdunster

Sonderausstellung "Porzellan aus Fraureuth" im Museum im Unteren Schloss eröffnet

Besucher bewundern das Gebrauchsporzellan aus Fraureuth.
Besucher bewundern das Gebrauchsporzellan aus Fraureuth.
Foto: OTZ/Katja Grieser
Das Neuberin-Trio mit Sarah und Artashes Stamboltsyan und
Peter Manz (r.) gestaltete die Vernissage musikalisch.
Foto: OTZ/Katja Grieser

Von Katja Grieser Greiz.

Die Geschichte des Fraureuther Porzellans, des weißen Goldes der Reußen, war keine lange, dafür aber eine recht erfolgreiche. Dass sie 1926 nach gut 60 Jahren abrupt endete, wird mangelnder Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Formen, dem Festhalten am Traditionellen zugeschrieben. Was in den sechs Jahrzehnten im benachbarten Ort an Porzellan hergestellt wurde, ist in der gestern eröffneten Sonderausstellung „Porzellan aus Fraureuth — Das weiße Gold der Reußen" zu sehen. Unterstützt wurde Museumsleiter Rainer Koch nicht nur vom Stadt- und Dampfmaschinenmuseum Werdau sowie vom Förderverein Fraureuther Porzellan, sondern vor allem von zwei Sammlern, die zahlreiche Objekte zur Verfügung stellten. Albrecht Fischer aus Weida hat eine ganz besondere Beziehung zur Fraureuther Porzellanherstellung. „Meine Urgroßmutter hat in der Manufaktur gearbeitet", erzählt der Weidaer, der vor allem Service, aber auch figürliche Objekte in der Schau zeigt. Etwa 250 Gegenstände hat der Greizer Heiko von Bogen aus seiner Sammlung mitgebracht. Da ist zum Beispiel ein beeindruckender Parfümverdunster oder eine Lampe mit Drachenhenkeln. Drachen, erklärt der Sammler, seien wie auch andere asiatische Motive um 1920 in Deutschland beliebt gewesen und hätten es so aufs Fraureuther Porzellan geschafft. Heiko von Bogen stellt sich das Porzellan aus der einst zum Fürstentum Reuß älterer Linie gehörenden Manufaktur aber nicht nur in den Schrank. „Dafür ist es zu schade, ich benutze das Geschirr auch zu Hause", verrät er. Für Freunde von Porzellan hat die Ausstellung viel zu bieten. Angefangen von Vasen mit Gemäldenachbildungen über Tierplastiken wie die Tigergruppe und mythologischen Darstellungen wie Europa auf dem Stier bis hin zu Deckeldosen, Speise- oder Kaffeeservice. Die Sonderschau ist ein halbes Jahr und damit ungewöhnlich lang zu sehen. Das liege an der überregionalen Bedeutung dieser Ausstellung im Themenjahr Porzellanland Thüringen, lautet die Begründung von Museumsleiter Koch.


19. April 2010 /OTZ

Müll und Dreck den Kampf angesagt

Notar Peter Orth war mit Grundschülern in Pohlitz unterwegs.
Notar Peter Orth war mit Grundschülern
in Pohlitz unterwegs.
Foto: Hilbert

Frühjahrsputz des Lions Clubs in Greiz

Greiz (OTZ/M. Hilbert).

Wenn die Straßen in Greiz und seinen Ortsteilen von Schulkindern mit blauen Müllsäcken gesäumt sind, kann das eigentlich nur eines bedeuten: Der Lions Club Greiz hat wieder zum Frühjahrsputz aufgerufen. Auch am Sonnabendvormittagkonnten so wieder eine Menge Schüler mobilisiert werden. Mit 166 gemeldeten Schülern soll sogar ein neuer Teilnehmerrekord erreicht worden sein. „Wir konnten auch die Lessingschüler wieder für das Projekt gewinnen", freut sich Organisatorin Sandra Strobel. Zudem waren wieder Pohlitzer Regel- und Grundschüler, Bewohner des Carolinenfeldes, sowie Gymnasiasten im Einsatz für eine schöne, saubere Stadt. Sie schwärmten bereits früh am Morgen, dafür aber bei strahlendem Sonnenschein, in acht Regionen in Greiz und Umgebung aus, jeweils unterstützt von Clubmitgliedern und Lehrern. Während die Gymnasiasten den Altstadtbereich von Unrat befreiten, gingen in der Neustadt gleich zwei Gruppen Lessingschüler auf Müllsuche. In Aubachtal, Irchwitz und zweimal in Pohlitz waren die Pohlitzer Regel- und Grundschüler im Einsatz und in Obergrochlitz schließlich sorgten die Carolinenschüler akribisch für Sauberkeit. Mit letzteren war Corina Gutmann, die Bibliothekschefin und ebenfalls im Lions Club engagiert, unter- wegs. Sie ist begeistert von deren Gründlichekeit „Das ist die fleißigste Truppe, die ich je hatte. Wir mussten schon Müllbeutel nachordern." Nach getaner Arbeit konnten sich alle fleißigen Schüler bei einem gemeinsamen Mittagessen in der Altstadtgalerie stärken. Auch eine Disco als Dankeschön stand zum Abschluss noch auf dem Programm. Auch wenn durch den langen Winter in diesem Jahr die städtischen Reinigungsarbeiten noch nicht zu lange zurück liegen, zeigen die vielen vollen Müllsäcke dennoch, dass der Frühjahrsputz notwendig ist. Die ausgelobte Siegprämie von 200 Euro für die beste Schule sowie 100 Euro für die teilnahmestärkste Klasse tat wohl ihr übriges für die Motivation der Kinder. Wer die Prämien erhält, wird in dieser Woche bekannt gegeben.


19. April 2010 /OTZ

Klangtüftler zündet Effektfeuerwerk

Martin C. Herberg
Martin C. Herberg

Martin C. Herberg verzaubert Kulturhof Zickra

Zickra (OTZ/M. Hilbert).

Es ist immer wieder erstaunlich, was man alles mit einer Gitarre anstellen kann ist: Einen kleinen Einblick in diesen Facettenreichtum erhielt das Publikum im Kulturhof Zickra von Martin C. Herberg. Der Wuppertaler Gitarrist eröffnete am Sonnabend das Konzertjahr 2010 des Kulturhofes. In seinem überwiegend instrumental gehaltenen Programm „Gitarre total" holte er alles aus seinen zahlreichen Gitarren heraus. Mit atemberaubender Geschwindigkeit jagten seine Finger über die Saiten und ließen, je nach Ausrichtung des Titels, spanische Klänge oder irische Folklore aus den Boxen dringen. Mit viel Liebe zu klanglichen Details fackelte er zudem ein Effektfeu gar wie eine Orgel, was den Gästen des Öfteren ein erstauntes Kopfschütteln entlockte. Herbergs Auftritt war ein Auftakt nach Maß für das frisch renovierte Kulturcafé. Von Dezember bis März wurde die Empore im Cafe vergrößert und so mehr Platz für Gäste, aber auch für Küche und Barbereich geschaffen. Doch nicht nur das Interieur ist neu, auch im Programm des Zickraer Hofes findet sich ein neuer Punkt: Jeden dritten Donnerstag im Monat gibt es eine offene Jam-Session im Café, zu der jeder, der Lust hat und ein Instrument spielt, die Bühne zum Improvisieren entern kann.


19. April 2010 /OTZ

Erster Härtetest für neue Brücke

In einer kleinen Parade von Traktoren und Oldtimern wird die Brücke in Lehnamühle zur feierlichen Freigabe einem ersten Belastungstest unterzogen.
In einer kleinen Parade von Traktoren und Oldtimern wird die
Brücke in Lehnamühle zur feierlichen Freigabe einem ersten
Belastungstest unterzogen.
Foto: Marcel Hilbert

Brücke im Neumühler Ortsteil Lehnamühle nach 20 Monaten wieder offen

Von Marcel Hilbert Neumühle (OTZ).

„Gefahr im Verzug“ - so lautete im Herbst 2008 das Urteil über den Zustand der Brücke in Lehnamühle. Die Folgen waren Sperrung, Abriss und Neubau des Bauwerkes im Ortsteil der Gemeinde Neumühle. 20 Monate und 750 000 Euro später wurde am Sonnabend schließlich das Band zerschnitten und die Brücke ihrer Bestimmung übergeben. Zu den Feierlichkeiten gesellten sich neben der Neumühler Bürgermeisterin Pedra Hofmeister (parteilos) und Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) 50 Gäste aus Neumühle und speziell aus Lehnamühle. In ihrer Rede nahm Hofmeister die Anwesenden noch einmal mit zu den einzelnen Stationen der Brückenrenovierung und berichtete auch von den zahlreichen Problemen, die sich während des Baus auftaten. Angefangen von der Dauer der Fördermittelbewilligung über die öffentliche Bauausschreibung ohne eine Bewerbung bis hin zum langen Winter, der den Abschluss der Arbeiten bis in den April dieses Jahres verzögerte. „Daher“, so die Bürgermeisterin, „hätten es alle Neumühler und speziell die Lehnamühler verdient, an einem so schönen Tag die Freigabe zu feiern.“ Nachdem am 12. April die finale Teerschicht aufgebracht wurde, sind zwar immer noch kleinere Malerarbeiten durchzuführen. Doch das hindere nicht daran, das Bauwerk

wieder für den Verkehr freizugeben. Immerhin müssten, laut Hofmeister, täglich 17 Personen das Areal auf der anderen Seite der Bahnschienen erreichen. „Aus diesem Grund und weil eine Behelfsbrücke in diesem Gelände rund 180 000 Euro gekostet hätte, war die letzten 13 Monate eigens ein Schrankenwärter für den alten Bedarfsübergang angestellt“, fährt die Ortschefin fort. Nach dieser Großinvestition muss die kleine Gemeinde Neumühle in diesem Jahr zwangsläufig kleinere Brötchen backen. „Bevor der Brückenbau notwendig wurde, war eigentlich der Ausbau des alten Sägewerkes zu einer Gaststätte geplant. Das muss nun noch ein Stück warten“, so Hofmeister. Neben dem symbolischen Bandschnitt konnten die Besucher in einer Mini-Ausstellung die Geschichte von Lehnamühle in alten Bildern bugutachten. Außerdem wurde die Brücke gleich von Traktoren und Oldtimern in einer kleinen Parade einem ersten Härtetest unterzogen.


19. April 2010 /OTZ

Der Trend geht zum Nano-Aquarium

Dichtes Gedränge bei Zierfischbörse in Greiz

Von Katja Grieser Greiz.

Viel Zeit hatte Carola Schau, Vorsitzende des kleinen Vereins für Aquarien- und Terrarienkunde „Wasserrose“ Greiz, gestern Morgen nicht: Dichtes Gedränge gab es auch diesmal zur Zierfisch- und Wasserpflanzenbörse. Trotzdem verriet sie, welchen aktuellen Trend es unter Aquarianern gibt: „Nano-Aquarien sind gerade in.“ Die kleinen Aquarien zwischen zehn und 40 Litern Fassungsvermögen nehmen zum einen nicht so viel Platz weg wie die großen. Zum anderen seien die hohen Energiekosten und Wasserpreise für viele Fischfreunde ein Grund, sich für die Mini-Variante zu entscheiden. Entsprechende Pflanzen wie etwa Moose und Tiere wie Garnelen, kleine Schnecken wie die bunten Teufelshörnchen oder Mini-Fische konnten die Besucher zur gestrigen Börse gleich mitnehmen. Sechs Vereinsmitglieder boten zur Börse ihre Fische und Pflanzen an. „Ich habe drei Aquarien und die Börse finde ich gut, weil ich hier preiswerte Fische bekomme“, sagt René Süß, der mit seiner Tochter Emilia unter anderem Platys eingekauft hat. Dass der Aquarienfreund weiß, woher die Fische stammen, sei ein weiterer Vorteil der Börsen. Und auch die gute Beratung spreche dafür. Schlichtweg „faszinierend“ findet Jessica Heinze aus Greiz die Black Mollys. Sie habe zwar kein Aquarium, aber ihr Freund und dessen Vater. Letzteren hat die junge Frau zur Börse mitgenommen, als Ratgeber sozusagen. Zweimal im Jahr veranstaltet der Verein die Zierfisch-und Wasserpflanzenbörse, die gestrige war allerdings die letzte im Gymnasiumsgebäude in der Pohlitzer Straße. „Wir sind auf Suche nach neuen Räumen für unsere Börsen“, erzählte Carola Schau. Möglichst ebenerdig müssten die Räumlichkeiten sein, damit die Vereinsmitglieder die Aquarien nicht Treppen hochschleppen müssen. Schau ist jedoch recht optimistisch, dass sich bis zur nächsten Börse im Herbst ein Domizil gefunden haben wird.


19. April 2010 /OTZ

Lachen vergeht dem Publikum bei Politsatire

Hallenser Kabarett lockt nur 22 Gäste

Greiz (OTZ/Groß).

Mit Politsatire pur gastierten am Sonnabend im Greizer Theater die „Kiebitzensteiner" mit ihrem Programm „Die Zocker sind unter uns". Für gerade mal 22 Zuschauer agierten auf der Bühne die Kabarettisten Stephanie Hottinger, Klaus Dieter Bange und Albrecht Wiegner von dem seit 42 Jahren in Halle beheimatete Traditionskabarett. Mit Prognosen wie „Die schlechten Zeiten von Heute, werden die guten von Morgen sein" malen sie in den Farben der Wirtschafts-Weisen Schwarz. Die Kiebitzensteiner spielen als Gott und Teufelchen Schwindel-Mäx. Einsatz sind die Rentenbeiträge in den neuen Bundesländern - 14 Millionen Seelen die immer älter, aber auch immer weniger werden. Weil einem da echt das Lachen vergeht, gab es zwar Applaus, aber keine Zugabe. Zum Abschied gab es nur einen Witz.


19. April 2010 /OTZ

Lüsterne Abgründe

Ein sündiges Spektakel zeigten die Darsteller des Vereins theaRter mit der „Rocky Horror Picture Show rund um den exzentrischen Dr. Frank-N-Furter (Matthias Pohle, links).
Ein sündiges Spektakel zeigten die Darsteller des Vereins
theaRter mit der „Rocky Horror Picture Show" rund um den
exzentrischen Dr. Frank-N-Furter (Matthias Pohle, links).
Foto: Marcel Hilbert

Ausverkauftes Haus zur Rocky Horror Picture Show im Greizer Theater

Von Susann Grunert Greiz (OTZ).

„Kommt herein, zieht euch aus!" — Zurückhaltung war schon bei der Begrüßung der Gäste im Greizer Theaterfoyer zur Premiere der „Rocky Horror Picture Show" am Freitagabend nicht gefragt. Nicht weniger wurde jedoch von der Adaption des schrill- bizarren Kultmusicals aus der Feder von Richard O'Brien erwartet, das der Verein theaRter mit 25 Laiendarstellern und einer Liveband auf die Bühne zauberte. Doch auch die Zuschauer im bis auf den letzten Platz besetzten Theatersaal hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Ohne großes Bitten wurden Brad und Janet mit ihren Kosenamen „Asshole" und „Slut" bedacht, wurde der Saal wie einstudiert zu „There's a Light" in den Schein hunderter Feuerzeuge getaucht. Die Schritte des „Time Warp" musste der Zuschauerraum aus Platzgründen in Gedanken mittanzen, doch nichts konnte die ausgelassene Stimmung an diesem Abend trüben. Wie ein Triumphator zieht Dr. Frank-N-Furter in seine Arena aus zügelloser Leidenschaft und bizarrer Erotik ein, um seine diabolischen Spielchen mit den jungen Verlobten zu treiben. Exzentrik pur verkörpert dabei Matthias Pohle als „Sweet Transvestite" — und das mit Beinen, auf die jede Frau neidisch wäre. Diese Nacht im Schloss des Abgesandten vom Planeten Transsexual soll nicht nur Brad und Janet im Gedächnis bleiben. Frank-N-Furter feiert seine neueste Schöpfung: Rocky, muskelbepacktes Retortenwesen, erschaffen zum — sexuellen — Vergnügen der launischen Diva. „Touch Me" lautet das Gebot der Stunde, zwischen aufreizenden Dekolletés und sexy Strapsen sucht man

Unschuld und Moral vergebens. Unaufhaltsam steuert Frank-N-Furter auf lüsterne Abgründe zu, die in seiner Entmachtung und Tötung enden. Jeder der Hobby-Darsteller holt den letzten Tropfen Leidenschaft in seinem Spiel heraus. Dem steht die fünfköpfige Liveband mit Musikern der Region in nichts nach. Ein fabelhaft aufgelegtes Publikum als „12. Mann" im Darstellerensemble verleiht diesem fast zweistündigen, sündigen Spektakel zusätzliche Würze. Am Freitag, 23. April, ist die Rocky Horror Picture Show um 19 Uhr im Neuberinhaus Reichenbach zu sehen. Karten unter Tel.: (03765) 1 21 88.

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19. April 2010 /OTZ

Musikalische Kostproben

Bei Musikschullehrer Matthias Schöppe konnten sich die Besucher an den Instrumenten ausprobieren.
Bei Musikschullehrer Matthias Schöppe konnten sich
die Besucher an den Instrumenten ausprobieren.
Foto: OTZ/Silke Groß
Für das Kindermusical „Die schiffbrüchigen Schatzsucher wurde am Sonnabend geprobt.
Für das Kindermusical „Die schiffbrüchigen Schatzsucher"
wurde am Sonnabend geprobt.
Foto: OTZ/Silke Groß

Schülerkonzert, Musicalprobe und Schnupperstunden in der Greizer Musikschule

Von Silke Groß Greiz.

Augen auf und Ohren gespitzt, hieß es am Sonnabend zum Tag der offenen Tür in der Greizer Musikschule „Bernhard Stavenhagen". Begrüßt wurden die Besucher mit einem Schülerkonzert im Weißen Saal des Unteren Schlosses, zu welchem Musikschulleiter Ingo Hufenbach verschiedene Instrumente und die Gesangs- und Instrumentalpädagogen vorstellte. Hier zeigten besonders die jungen Musikanten als Solisten oder Gruppe im Umgang mit den Instrumenten Spielfreude und Selbstbewusstsein und erhielten viel Applaus. Zum Schnuppern und Ausprobieren unter Anleitung drehte sich in den Fachbereichsräumen der Musikschule in der Etage darüber das „Instrumentenkarussell". Hier begeisterte besonders Musikpädagoge Matthias Schöppe im Kabinett der Schlagzeuge die Besucher. Durch die Vielfalt verschiedener Rhythmusinstrumente gab es da — ob bei den Quereinsteigern oder von Eltern geprägten Interessenten — keine Berührungsängste. Schnell füllte sich der Saal zur ersten Probe des Kindermusicals „Die schiffbrüchigen Schatzsucher". Das Klassen übergreifende Projekt wird von der Flötengruppe mit Gretel Töpfer und der Klaviergruppe mit Cirsten Wetzel mit etwa 20 Schülern einstudiert. Die Musik schrieb Manfred Zimmermann, den von Brigitte Meier verfassten Text liest Georgi Pavlov als Kapitän Schwarzbart. In dem szenisch aufgeführten 45-Minuten-Stück mit einem Segelschiff als Requisite werden die Zuschauer bei dem Lied „Eine Seefahrt die ist lustig" sogar als Chor mitwirken. Doch vorher heißt es „Leinen los, Anker einholen und volle Fahrt voraus", soll das Musical doch der Höhepunkt des Musikschulfestes am 13. Juni werden. Den Ausklang dieses Blicks hinter die Kulissen bestritt die Band der Musikschule mit Kostproben aus „Jazz, Pop & More". Zurzeit werden 620 Schüler inklusive der Tanzklasse von 29 Pädagogen ausgebildet. Wer in den Schnupperwochen vom 17. bis 28. Mai vorbeischauen möchte, sollte sich bis 7. Mai anmelden. Anmeldeschluss für das neue Unterrichtsjahr ist der 31. Mai.


19. April 2010 /OTZ

Ständchen für den Chef des Feuerwehrvereins

Günter Künzel feiert 70. Geburtstag

Greiz (OTZ/Frd.).

Unter großem Beifall der zahlreichen Geburtstagsgäste musste der ehemalige langjährige Wehrleiter und Vorsitzende des Obergrochlitzer Feuerwehrvereins, Günter Künzel, eine brennende 70 löschen, die seine Kameraden vor der Gaststätte „Lindenhof" in Moschwitz angezündet hatten. Mit einem Ständchen gratulierte auch der Posaunenchor der Caselwitzer Kirchgemeinde unter der Leitung von Matthias Härtig, dem der Jubilar seit Jahrzehnten angehört. Auch die Berufskollegen ließen es sich nicht nehmen, dem Kfz-Meister ihre Glückwünsche auszusprechen. Oberbrandmeister Günter Künzel gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Obergrochlitzer Ortsteilfeuerwehr und hatte viele Jahre als Wehrleiter das Sagen. Das Amt bekleidet jetzt sein Sohn Frank, Enkel Falko ist ebenfalls Mitglied der aktiven Truppe. Acht Jahre lang führte Günter Künzel die Geschicke des Feuerwehrvereins und ist noch heute aktiv. Viel Freude bereiten ihm die unzähligen Auftritte mit dem Posaunenchor, vor allem denken er und seine Frau Erika in diesem Zusammenhang gern an die Reisen mit Konzertauftritten der Musiker zurück. 1964 übernahm er die Dölauer Firma von seinem Vater Fritz. Heute wird sie von Sohn Frank und dessen Frau Silvia geführt. Günter Künzel gehört heute noch zu den aktivsten Obergrochlitzern, dafür sprachen ihm zahlreiche Bürger Dank aus.


19. April 2010 /OTZ

Stadtkirchenorgel in guten Händen

Reinhard Seeliger gibt virtuoses Konzert

Greiz (OTZ/IMU).

Zu den Organisten, die von Anfang his Ende eines Programms leicht und transparent figurierte und akkordlich dichte Kompositionen interpretieren können, gehört Kirchenmusikdirektor (KMD) Reinhard Seeliger aus Görlitz. Er stellte sich am Sonnabend mit einem Orgelkonzert vor, das markante Werke der Orgelliteratur bot. Dabei nutzte er die Vielfalt der Möglichkeiten der Interpretation an der Greizer Stadtkirchenorgel in vollem Maße. Mit jugendlichem Elan begann Seeliger mit Präludium und Fuge in D- Dur BWV 532 von Johann Sebastian Bach und spielte beides glasklar artikuliert. Dieser Interpretationsstil kam auch dem Prölude et Fugue op. 7,3 von Marcel Duprä zugute. Hier zog die filigrane Begleitung der Melodie ebenso durchsichtig dahin wie der markante Rhythmus der Fuge. Bachs Sonata Nr. 1 in Es-Dur war der fröhliche Mittelpunkt des Programms. Weich und romantisch in der Klangfarbe, aber immer schlank im Ton und präzis im Passagenwerk, spielte Seeliger die Sonate IY in B-Dur op. 65,4 von Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu ihrem kraftvollen Schlusssatz. Danach erklang, grazil und neckisch gespielt, das „Andante für eine Walze in eine kleine Orgel" KV 616 von Mozart. Überwältigend war der Abschluss. Seeliger interpretierte eine Fantasie über den Choral „Halleluja! Gott zu loben bleibe meine Seelenfreud" op. 52,1 von Max Reger, in der die Orgel orchestral eingesetzt wird. Es war ein großartiges Konzert, dem man besseren Besuch gewünscht hätte.


19. April 2010 /OTZ

Untergrochlitz punktet auswärts

Die Untergrochlitzer Kicker (in Schwarz) konnten sich im Vogtländischen Oberland gegen den SV Pöllwitz durch einen Doppelpack von Beyer drei wichtige Punkte erkämpfen.
Die Untergrochlitzer Kicker (in Schwarz) konnten sich im Vogt-
ländischen Oberland gegen den SV Pöllwitz durch einen Doppel-
pack von Beyer drei wichtige Punkte erkämpfen.
Foto: Jürgen Stefaniak

Fußball, Männer, Kreisliga: Berga dominiert gegen Bad Köstritz, holt aber nur einen Punkt

Pöllwitz (OTZ/Volker Georgius).

SV Pöllwitz - SV 60 Untergrochlitz 1:2 (0:1)

Pöllwitz machte das Spiel, Untergrochlitz aber die entscheidenden Tore. Florian Beyer traf für die Gäste doppelt und hatte großen Anteil am Untergrochlitzer Sieg. SR: Hartmut Schüler (Auma). Tore: 0:1 Beyer (36.); 1:1 Schulz (64.); 1:2 Beyer (70.).

SV Blau-Weiß Niederpöllnitz II - Lawo Kickers 7:0 (4:0)

Niederpöllnitz. Mit diesem klaren Heimsieg rückt Niederpöllnitz bis auf drei Punkte an den Kreisliga-Zweiten Blau- Weiß Auma heran. Ganz so klar, wie das Ergebnis aussieht, verlief die Partie jedoch nicht, denn der Tabellenletzte aus Langenwolschendorf traf dreimal den Pfosten. Torjäger Christian Böttcher war viermal erfolgreich. SR: Eisel (Weida). Tore: 1:0 Böttcher (3.); 2:0 Heinz (36.); 3:0, 4:0 Böttcher (40./Elfmeter, 45.); 5:0 Mauldorf (47.); 6:0 Böttcher (65.); 7:0 Mauldorf (73.).

FSV Berga - SVE Bad Köstritz 1:1 (0:1)

Berga. Einbahnstraßenfußball aufs Bad Köstritzer Tor, aber Berga zeigte große Abschlussschwächen. Mit dem Pausenpfiff die Ernüchterung, per Freistoß stellte der Gast den Spielverlauf auf den Kopf. Nach der Pause spielte nur noch Berga, aber selbst in Überzahl gelang nur noch der Ausgleich. Damit wurde vom Gastgeber eine große Chance vergeben, näher an den zweiten Platz heranzurücken. Gelb-Rote Karte: Marcus Gröst (Bad Köstritz). Tore: 0:1 Gröst (45.); 1:1 Kulikowski (68.).

SSV 1938 Großenstein - FC Motor Zeulenroda II 5:0 (2:0)

Großenstein. Zeulenroda hielt bis zur Pause gut mit. Dann setzte sich der Gastgeber ergebnismäßig ab und ließ noch gute Chancen ungenutzt. Torjäger Pitschel erzielte zwei Treffer. SR: Rohland (Bad Köstritz). Tore: 1:0 H. Muxfeldt (7.); 2:0 Pitschel (21.); 3:0 Müller (53.); 4:0 Nuetzel (68.); 5:0 Pitschel (86.). Gelb-Rote Karte: Andreas Wagner (Zeulenroda II/60. Minute wegen wiederholtem Foulspiels).

SV Blau-Weiß Auma - Wünschendorf/Falka 0:1 (0:1)

Auma. Der Gastgeber enttäuschte auf der ganzen Linie. Mit dem ersten verheißungsvollen Angriff ging Wünschendorf in Führung. Auma verkrampfte nun total und hatte nur noch Pachalis Schuss ans Lattenkreuz zu bieten. SR: Weck (Schmieritz). Tor: 0:1 Grüner (19.).

TSV 1861 Pölzig - FSV Ronneburg 0:1 (0:1)

Pölzig. Ronneburg begann zielstrebig und engagiert, verlor aber nach Onoszkos Lattenknaller für Pölzig in der 15. Minute völlig die Souveränität. Überraschend dann die Ronneburger Führung, als die Pölziger in der Vorwärtsbewegung den Ball verloren und Knebel aus Mittelstürmerposition traf. Nach der Pause hatte Ronneburg drei gute Chancen. Auf der anderen Seite musste Gästekeeper Schote in der 65. Minute bei Huhses Distanzschuss und in der Schlussminute gegen Kapitän Seligenfleisch den Ausgleich verhindern, der für Pölzig nicht unverdient gewesen wäre. SR: Degner (Paitzdorf). Tor: 0:1 Knebel (39.).


19. April 2010 /OTZ

Zwei Konter kosten wertvolle Punkte

Fußball, Männer, Bezirksliga, Staffel 4
Post SV Gera - Daßlitz/L’wetzendorf 2:1 (1:1)

Gera (OTZ/Christian Schädlich).

Im Auswärtsspiel beim Post SV Gera wollten die Daßlitz/Langenwetzendorfer wieder einmal mit einem Erfolg aufwarten. Doch im Moment scheint sich die Mannschaft in einem Tief zu befinden, so dass sie selbst gegen Mannschaften aus den unteren Tabellenregionen nicht in der Lage ist, Spiele für sich zu entscheiden. Dabei begann es für die Gäste recht vielversprechend, als Torsten Wirth Ramón Czerwenka steil schickte, dieser seinen Gegenspieler aussteigen ließ und den Ball an Christian Tietz vorbei zum 1:0 für die SG ins Tor schob (3.). Auf der anderen Seite konnte der angeschlagen in die Partie gegangene David Pfennig per Faust klären. Die SG erarbeitete sich in der Folgezeit mehr Spielanteile und drückte die Gastgeber in deren Hälfte. So wurde Marc Seyfarth von Ramón Czerwenka gut in Position gebracht, dessen Schuss verfehlte das Tor aber knapp. Die Postler erzeugten vorwiegend bei Eckbällen und Freistößen Gefahr für das Tor der SG, doch zunächst ohne für einen Torerfolg zu sorgen. Als ein Pass der SG in der Hälfte des Post SV abgefangen wurde, ging es blitzschnell. Andy Lippold marschierte über die linke Seite in den Strafraum der SG und konnte den Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff erzielen (44.). Bitter für die Gäste, da sie das Spiel bis zu diesem Zeitpunkt kontrollierten und nur selten eine nennenswerte Tormöglichkeit von Post zuließen. Nach dem Seitenwechsel verlor die SG Daßlitz/Langenwetzendorf wieder beim eigenen Spielaufbau den Ball. Post konterte erneut, diesmal über die rechte Seite. Tino Kreuzburg war es letztlich, der den Ball am Fünf-Meter- Raum auf den Kopf serviert bekam, David Pfennig keine Abwehrchance ließ und sein Team in Front brachte (49.). Wenig später verfehlte Sebastian Michael nur knapp einen Freistoß von Stephan Hofmeister (54.), bevor auch Michael selbst den Ball am Tor vorbeischoss (56.). Als dann der Torschütze zum 2:1 wegen wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde, blieben der SG Daßlitz/Langenwetzendorf noch etwa 15 Minuten in Überzahl. Trotz des nochmals erhöhten Druck gelang es den Gästen aber nicht mehr, den Ausgleichstreffer zu erzielen. Der Post SV Gera verteidigte die Führung geschickt, und Torhüter Christian Tietz hielt seinen Kasten sauber. Eine Niederlage, die der SG weh tut, kontrollierte sie doch über weite Strecken das Spielgeschehen. Doch die Geraer bestraften Fehler eiskalt und konterten die Gäste zweimal aus.

Aufstellung: David Pfennig, Mende, Wirth, Gärtig (ab 61. Daniel Pfennig), Peschke, Vollrath (ab 55. Schädlich), Czerwenka, Hofmeister, Seyfarth, D. Neiß, Michael.


19. April 2010 /OTZ

Immer wieder aufstehen

16. Kreisjugendspiele des Landkreises Greiz in Weida eröffnet

Von Elke Lier Weida.

Als „größten Kinderund Jugendwettbewerb im Landkreis Greiz“ wertete am Sonnabend Uwe Jahn, Vorsitzender des Kreissportbundes Greiz, die Kreisjugendspiele bei der Eröffnung in der Sporthalle des Weidaer Dörffel-Gymnasiums. Mit 25 verschiedenen Sportarten seien sie hinsichtlich der Vielfalt federführend im Freistaat. Vom 17. April bis zum 4. Juni werden sich rund 2 300 Kinder und Jugendliche der 1. bis 12. Klassen in sportlichen Wettkämpfen messen. „Viel Freude dabei und natürlich sportliche Erfolge“ wünschte dazu allen Teilnehmern Landrätin Martina Schweinsburg (CDU). Ihr Dank galt allen Trainern, Organisatoren und Ehrenamtlichen. Endlich zu starten, darauf warteten junge Taekwondo-Kämpfer aus dem Kreisgebiet. Gut organisiert vom gastgebenden TuS Osterburg 90 Weida, gab es vor den Wettkämpfen durch Eleonore Schlesinger und Jasmin Richter die Demonstration einer neuen elektronischen Weste für diese asiatische Kampfsportart mit Vollkontakt. Die Weste ermöglicht eine exakte Messung der Treffer. Taekwondo, so Uwe Jahn, sei keine kreiseigene Sportart. Würden die Sportler gleich zu hochklassigen Wettkämpfen delegiert, demotiviere sie schlechtes Abschneiden. In den Jugendspielen haben sie dagegen viele Chancen auf Medaillen und Anerkennung. Taekwondo stärke die Einheit von Körper und Geist, von Disziplin und Ausdauer. „Wer unten liegt, lernt wieder aufzustehen“, sagt der Sportbundchef auch mit Sicht auf spätere Lebenssituationen. Die zehnjährige Jasmin Richter, seit drei Jahren Taekwondo-Kämpferin, findet: „Die Freizeit ist dadurch nie langweilig und ich kann mich gut wehren.“


19. April 2010 /OTZ

Greenpeace-Banner in Bauerfeind-Allee

Greenpeace Südostthüringen mit Unterstützung von Jenaer Akteuren protestiert in der Bauerfeind-Allee an der Zufahrt zum Bio-Seehotel gegen Greenwashing.
Greenpeace Südostthüringen mit Unterstützung von Jenaer
Akteuren protestiert in der Bauerfeind-Allee an der Zufahrt
zum Bio-Seehotel gegen "Greenwashing".

Weil ihre 10-Uhr-Pause am Samstag nach einem interessanten Klimafolgen-Vortrag später begann, bekamen die Teilnehmer der Arena für Nachhaltigkeit im Bio-Seehotel nicht mit, was sich vor der Tür abspielte. Greenpeace war kurzzeitig mit einem Protestbanner und Unterschriftenlisten zur Stelle.

Steffen Beikirch / 19.04.10 / OTZ

Zeulenroda. Die Umweltschützer wiederholten ihren Vorwurf von Ende 2009: Im Bio-Seehotel werde Greenwashing, zu Deutsch: Grünwaschen betrieben. Man gebe sich ökologischer als man in Wirklichkeit sei. Greenpeace Südostthüringen macht dies am Stromlieferanten fest. Die Nobelherberge kauft zwar Ökostrom, den jedoch über die Energiewerke Zeulenroda von der E.ON. Ein Bio-Hotel kauft keinen E.ON-Strom. Das ist nicht konsequent, meint Jürgen Wolf von Greenpeace weiterhin. Denn E.ON baue immer noch auf Kohle- und Atomstrom und investiere nur zehn bis 15 Prozent in regenerative Energien. Deshalb dürfe man den Energieriesen nicht noch füttern. Der Protest wurde durch 142 Unterschriften, davon nur 26 aus Zeulenroda und Auma, belegt. Außerdem waren 77 Internet-Nutzer ebenfalls dieser Meinung, wie Jürgen Wolf berichtete. Die Unterschriften übergab man an Martina Menzel vom Seehotel und postierte sich dann noch kurzzeitig mit dem Protestbanner am Eingang der Bauerfeind-Allee von der Landstraße Zeulenroda-Triebes aus. Danach packten die neun Öko-Aktivisten aus Zeulenroda und Jena ihre Sachen und zogen wieder ab. Wir trinken jetzt Bionade, essen Biokekse und freuen uns auf den hoffentlich baldigen Wechsel des Stromanbieters, verabschiedete sich Wolf. Hals über Kopf werde dies nicht geschehen, auch wenn nächstes Jahr ein langfristiger Vertrag ausläuft, verdeutlichte Hoteldirektor Oliver Hasert gegenüber OTZ. Dem Hotel komme es nach wie vor auf eine große Lösung für die ganze Region an, die bekanntlich bis 2020 energieautark werden will. Das heißt aber nicht, dass das Bio-Seehotel auch so lange braucht, betonte Hasert. Man werde nicht einfach auf anderen Ökostrom umstellen, denn die Energie müsse hier aus der Region kommen. Und da man ein Wirtschaftsbetrieb sei, gelte natürlich weiterhin, was man bei jeder Arena verkündet: dass der Dreispänner aus Ökologie, Ökonomie und Sozialem angemessen berücksichtigt sein muss. Nach wie vor findet es Hasert gut, dass wir so unter Beobachtung stehen. Greenpeace habe ein absolutes Recht, dies zu tun. Dennoch findet er es schon ein bisschen sarkastisch, dass die Aktivisten bei allem, wofür sich das Unternehmen einsetzt, sagen, wir marschieren jetzt mal gegen das Seehotel.


19. April 2010 /OTZ

Zeulenrodaer WAZ gibt Entwarnung bei Asbestrohren

Neue Hausanschlüsse installiert die Zeulenrodaer WAZ in Niederböhmsdorf. Bei Asbestrohren gibt der WAZ Entwarnung.
Neue Hausanschlüsse installiert die Zeulenrodaer WAZ in Nieder-
böhmsdorf. Bei Asbestrohren gibt der WAZ Entwarnung.

Bundesweit liegen noch etwa 50 000 Kilometer Asbestzementrohrleitungen (AZ) im Boden. Im Gebiet des Zweckverbandes Wasser/Abwasser Zeulenroda (WAZ) sind es noch 78 Kilometer von insgesamt 355. Doch das Bundesgesundheitsamt sieht keine Gefahr.

Heidi Henze / 18.04.10 / OTZ

Zeulenroda/Niederböhmersdorf. Dazu zählt auch der Zeulenrodaer Ortsteil Niederböhmersdorf. Die hier im Boden liegenden Rohre haben ihre 30 Jahre auf dem Buckel und sind somit aus Asbestzement. Soweit auch kein Problem, wie das Bundesgesundheitsamt bestätigt, ein gesundheitliches Risiko für die öffentliche Wasserversorgung besteht nicht. Doch nun wurden auf rund 300 Metern innerhalb der Ortslage Niederböhmersdorf an das alte Rohrsystem neue Hausanschlüsse installiert. Das geschieht im Zuge der Straßenbaumaßnahme der Kreisstraße K310. Insgesamt sechs Hausanschlüsse und die dazu notwendigen Leitungen müssen angeschlossen werden. Die Niederböhmersdorfer sehen es mit Argwohn. Doch WAZ-Werkleiter Udo Gerstenberger kann Entwarnung geben. Der bei den Arbeiten freigesetzte Asbeststaub sei unbedenklich, wenn sich die Bauarbeiter, in diesem Fall Mitarbeiter der Firma ZeuTie, durch Atemmasken schützen. Auf die Qualität des Trinkwassers hätten die Staubpartikel keinen Einfluss, erklärt Gerstenberger und ergänzt: Die Bohrungen seien reine mechanische Vorgänge und die Leitungsrohre würden im Anschluss ausgiebig gespült werden, so dass sie dann keimfrei wären. Das Institut für angewandte Umweltforschung Katalyse schreibt dazu: Eine direkte gesundheitliche Gefährdung durch Aufnahme von Asbestfasern über das Trinkwasser besteht nicht, da Asbest nur bei Einatmen zu Gesundheitsschäden führt. Seit 1990 haben Trinkwasser-Rohrsysteme aus Kunststoff oder Stahlrohre die alten Asbestzement-Leitungen abgelöst. Im Abwasserbereich sieht es ganz anders aus: Rohre aus AZ sind häufig anzutreffen und sie unterliegen keiner Sanierungspflicht. Wenn das der Fall wäre, hätten die Niederböhmersdorfer allemal schlechte Karten. Auf der Einwohnerversammlung am Donnerstagabend legte der Bürgermeister der Doppelstadt und WAZ-Vorsitzende Frank Steinwachs die Prioritätenliste für Baumaßnahmen des Zweckverbandes auf den Tisch: Der Ort mit seinen 310 Einwohnern könne nicht vor dem Jahr 2024 an die Kläranlage, unmittelbar vor der Haustür im Flur Zscherlich gelegen, angeschlossen werden. Das Thema von möglichen Kleinkläranlagen für jedes einzelne Haus bekommt wieder Aktualität, so Steinwachs. Das momentane Bauvorhaben auf der Kreisstraße erstreckt sich von der Engstelle im Ort bis zur Einmündung B 94 auf rund 1200 Meter. Die Bauzeit für diesen Abschnitt soll drei Monate betragen. Auftragnehmer der Baumaßnahme des Landratsamtes ist die VSTR GmbH Rodewisch. In den vergangenen Wochen wurden Asphalt abgefräst und im Randbereich der Kreisstraße Begradigungen durchgeführt. Im Auftrag des Landkreises Greiz wird die Ortslage grundhaft ausgebaut, außerhalb der Ortslage erfolgt der Straßenbau im Baumischverfahren ein Teil der alten gebundenen und ein Teil des ungebundenen Straßenaufbruchs wird unter Hinzugabe von hydraulischen Bindemitteln maschinell wieder eingebaut. Die Straße wird auf fünfeinhalb Meter verbreitert. Das Bauvorhaben wird unter Vollsperrung durchgeführt. Die Umleitung führt über Triebes, eine Bushaltestelle ist während der Vollsperrung am Ortseingang aus Richtung B 94 eingerichtet.


19. April 2010 /OTZ

Wacker Gotha siegt in Zeulenroda

FC Motor Zeulenroda gegen Wacker Gotha (in Rot)
FC Motor Zeulenroda gegen Wacker Gotha (in Rot)

Der klare 4:1-Sieg des Tabellenzweiten der Fußball-Thüringenliga Wacker Gotha beim FC Motor Zeulenroda ging in Ordnung.

Klaus Meitner / 19.04.10 / OTZ

Gotha war vor allem in der Chancenverwertung eine Klasse besser als die Gastgeber, die schon in der 16. Minute Sven Maurer für den angeschlagenen Frank Lehmann einwechseln mussten. Wacker begann druckvoll, hatte durch die gefährlichen Stürmer Daniel Bärwolf und Steffen Scheidler die ersten Tormöglichkeiten (7., 9., 13.). Doch diese gute Anfangsphase war wie ein Strohfeuer. Motor steigerte sich und erreichte Gleichwertigkeit. Kapitän Sven Seebauer scheiterte aus zehn Metern an Gäste-Torwart Rainer Behnke, der seinen Schuss reaktionsschnell zur Ecke klären konnte (13.). Dann rettete Gothas Abwehrspieler Christian Heim in allerhöchster Not gegen Ronny Scholz (34.). Der FSV kam nur noch sporadisch vor das Zeulenrodaer Gehäuse. Scheidler rackerte unermüdlich, sein 14-Meter-Schuss ging über das von Jens Kutzner gehütete Motor-Tor (37.). Bärwolfs flach abgezogenen Ball hielt Kutzner sicher (40.), dann war Halbzeit. Die zweiten 45. Minuten sollten turbulent verlaufen. Denny Milde bereitete schön für Maurer vor, doch dieser kam an die Eingabe nicht heran (46.). Wenig später pfiff Schiedsrichter Clemens Dietrich aus Leisnig Elfmeter für Gotha. Er bestrafte damit das Handspiel von Milde im eigenen Strafraum im Anschluss an einen Freistoß (49.). Bärwolfs schwach getretener Elfer war für Kutzner jedoch kein Problem, und so blieb es beim 0:0. Scholz knallte aus 22 Metern das Leder um Zentimeter über die Latte des Behnke-Tores (50.). Routinier Bärwolf brachte dann seine Mannschaft in Führung. Vorausgegangen war allerdings ein nicht bestraftes Foul an Martin Schulz, im Anschluss traf Bärwolf per Schlenzer zum 0:1 (56.). Der Sekundenzeiger der Stadionuhr hatte kaum eine weitere Runde gedreht, da stand es 1:1. Denny Mildes Schuss wurde in einer unübersichtlichen Situation unhaltbar für Behnke abgefälscht (57.). Die Freude bei den Einheimischen währte jedoch nicht lange. Ein Gothaer Eckstoß wurde von Chris Thäder nur ungenügend abgewehrt, Ronny Ronis bedankte sich mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck zu erneuten Gästeführung (61.). Im Gegenzug strich ein Kopfball von Tino Pohl nur knapp am Wacker-Tor vorbei (62.). Die Vorentscheidung fiel in der 69. Minute, als Gothas Kapitän Tony Schnuphase einen Freistoß aus 25 Metern ins rechte Eck zirkelte, der für den ansonsten starken Kutzner eigentlich haltbar war. Motor warf nun alles nach vorn, und diese Situation nutzten die Gäste zu kreuzgefährlichen Konterangriffen. Kutzner rettete gegen Scheidler in toller Manier (75.) und war noch einmal Sieger im Duell mit Scheidler (84.). Die Gelb-Rote Karte sah dann Schnuphase, eine harte Entscheidung von Referee Dietrich gegen den Wacker-Kapitän (85.).Den Schlusspunkt setzte der 37-jährige Bärwolf, der die ausgezeichnete Vorarbeit des eingewechselten Philip Steuding eiskalt zum 1:4 verwertete (90.). Für die Motor-Elf stehen noch sechs Spiele im Saisonendspurt an. Um die Klasse halten zu können, müssen wohl noch sieben Punkte her.


19. April 2010 /OTZ

Einstiger KZ-Häftling erzählt in Triebes

Ehemaliger Buchenwaldhäftling Stepan Baz, 82, aus der Ukraine, spricht vor Triebeser Regelschülern über seine Erinnerungen.
Ehemaliger Buchenwaldhäftling Stepan Baz, 82, aus der Ukraine,
spricht vor Triebeser Regelschülern über seine Erinnerungen.

Sein Lächeln wirkt müde, aber den schwarzen Humor hat er sich bewahrt. Vielleicht half ihm das schon damals, das Unvorstellbare zu überstehen. Stepan Baz, 82 Jahre und einer der Überlebenden des KZ Buchenwald. Er erzählte vor Triebeser Regelschülern aus dem finstersten Kapitel unserer Vergangenheit.

Steffen Beikirch / 18.04.10 / OTZ

Triebes. Gerade mal 15 Jahre alt war der Ukrainer damals so alt, wie seine Zuhörer gestern als man ihn zur Zwangsarbeit nach Deutschland schickte. Weil er sich weigerte, für die Nazis zu arbeiten, wiesen die ihn 1942 ins KZ auf dem Ettersberg ein. Was das bedeutet, sollte er bald erfahren. Auch hier musste er zunächst arbeiten: mit der Bandsäge in der Fabrik der Gustloff-Werke Gewehrschäfte formen. Er versuchte zu sabotieren, zerstörte absichtlich Sägeblätter und schnitt sich dabei in den Daumen. Zur Strafe kam er zwei Wochen in den Bunker, wurde misshandelt und verhört. Obwohl er den Tod vor Augen hatte, blieb er eisern und stumm. Bis man ihn umziehen ließ in Block 46.

Ehemaliger Buchenwaldhäftling Stepan Baz, 82, aus der Ukraine, spricht vor Triebeser Regelschülern über seine Erinnerungen.

Erst war er erleichtert und verblüfft, denn man gab ihm ausreichend zu essen. Dann schnallten ihn Ärzte auf dem OP-Tisch fest. Er war dort gelandet, wo sie medizinische Versuche machten. Von der Schnittwunde am Finger beginnend, so erzählte Baz, schälte man ihm bei vollem Bewusstsein die Knochen ab. Immer und immer wieder fiel er in Ohnmacht. Irgendwann warfen ihn die Nazis zu den Leichen im Keller, weil sie sein Ende für gekommen hielten. Dass er heute trotzdem noch lebt, hat er dem illegalen Widerstand im Lager und einem tschechischen Arzt zu verdanken. Letzterer, ebenfalls in Gefangenschaft, operierte ihn nach seiner Rettung und erhielt ihm wenigstens einen Stumpf des rechten Armes. Fortan versteckte man den jungen Ukrainer in der Effektenkammer, wo die Kleidung desinfiziert und Mullbinden gewaschen wurden. Unter der bereits gereinigten Wäsche war dies ein sicherer Ort, weil die SS-Leute aus Angst vor Krankheiten einen Bogen darum machten. Was das Schlimmste für ihn gewesen sei, wollten die Triebeser Regelschüler gestern wissen. Den Hunger nennt Baz an erster Stelle. Gefolgt von Bildern des Grauens: erhängte Menschen und Menschen, die im Stacheldraht der Strom durchzuckt. Noch heute träumt er von den SS-Uniformen. Oder davon, wie schwarz der Rauch aus den Krematorien war. Noch heute glaubt er diesen Geruch wahrzunehmen, wenn er das Lager betritt. So am vergangenen Sonntag, als Stepan Baz zur Gedenkfeier anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung Buchenwalds in Weimar weilte. Begleitet von seinem Enkelsohn Anatolij, der ihm als Arzt auf der langen Reise nach Deutschland zur Seite stand. Seine Worte wurden gestern von Anni Iwanitzki-Hergenhan übersetzt. Ihr Vater Fritz Unger war einer von Stepan Baz Rettern in Buchenwald und hätte ihn nach der Befreiung beinahe adoptiert. Doch Baz kehrt zurück in die Heimat, wo er nach einer dreimonatigen Odyssee im August 1945 ankommt. Der Pfarrer hatte ihn bereits offiziell für tot erklärt. Da wird die richtige Beerdigung um so billiger, meinte Baz gestern mit dem Lächeln in seinem schmalen Gesicht. Von den Schülern wünscht er sich, sie mögen gut lernen und dafür eintreten, dass sich so etwas wie Buchenwald nie wiederholt. Nächstes Jahr will er wiederkommen und wenn er noch kann einen Vorschlag von gestern verwirklichen: den Triebeser Jugendlichen vor Ort auf dem Weimarer Ettersberg erzählen, wie das Unvorstellbare damals abgelaufen ist.
Stepan Baz, 82 Jahre: "Erst im Lager wurde mir klar, was KZ zu bedeuten hat."


19. April 2010 /OTZ

Sie leben mit ihrer Rolle

Strafgefangene der JVA Hohenleuben führen das Stück Zeig den Faust auf.
Strafgefangene der JVA Hohenleuben führen das Stück
"Zeig den Faust" auf.

Strafgefangene der JVA Hohenleuben führen am Freitag das Stück „Zeig den Faust“ im Reußischen Hof auf

Text & Bild Antje-Gesine Marsch

Die Aufführung eines Theaterstückes ist im Grunde nichts Besonderes. Was aber, wenn die Akteure Strafgefangene sind und die Proben in der Mehrzweckhalle der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben stattfinden? Seit gut drei Jahren gibt es dort eine Theatergruppe, die von Vollzugsbeamtin Anke Hartmann geleitet wird. Nach der Aufführung des Stückes "Die Reise" im Vorjahr wagt man sich diesmal an den Dichterfürsten Goethe höchstpersönlich. „Die Gefangenen wollten unbedingt den ‚Faust‘ spielen“, wie Hartmann betonte. Dabei habe sie ihnen auch Heinrich Kleists Komödie „Der zerbrochene Krug“ oder Jewgeni Schwarz’s „Der Drache“ vorgeschlagen, doch „ die Gruppe hat auf das klassische Stück bestanden; alle waren vom Inhalt fasziniert“, wie Anke Hartmann schmunzelnd sagt. So schrieb sie eine Rahmenhandlung, die in einer Zelle spielt, als ein Stromausfall jegliche Aktivitäten stoppt, für Langeweile sorgt und man sich deshalb spontan entschließt, ein Theaterstück einzustudieren. Dass sich die Probenarbeiten, die insgesamt etwa anderthalb Jahre dauerten, nicht immer leicht gestalteten, verschweigt die Beamtin allerdings nicht. „Zum einen ist es schwierig, unter den männlichen Strafgefangenen Darsteller zu finden; zum anderen fallen durch Entlassungen auch Akteure wieder weg.“ So sei die Besetzung, wie sie derzeit agiert, bereits die dritte. Während der Arbeit am Stück habe sich die soziale Kompetenz der Inhaftierten erneuert und vertieft, wie Hartmann erklärt. Das Ringen mit dem Originaltext, das Philosophieren über das Leben und die kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und deren Auswirkung seien deutliche Indikatoren dafür. „Einige Darsteller verlangten sogar Einzelproben, wollten darüber reden; ja, sie leben mit ihrer Rolle“, wie Anke Hartmann befindet. Schwierigkeiten habe aber beispielsweise die Szene in Auerbachs Keller bereitet, als die Mimen sich volltrunken geben mussten. „Alkohol ist im Vollzug ein absolutes Tabuthema. Zudem hat ein Großteil der Gefangenen ein Suchtproblem“, so die Beamtin. Doch hätten die Darsteller versucht , auch diese Szene zu meistern, die Spielfreude habe siegte und selbst die therapeutische Wirkung sei nicht zu unterschätzen, wie die Beamtin aus Erfahrung weiß. Agierten die Mimen zu den Proben noch leger in Jeans und T-Shirt, tragen sie im Stück zum Teil klassische Kostüme, wobei Bühnenbild und Requisiten eher spartanisch angelegt sind. Allerdings wird durch farbintensives Lichtdesign, Toneffekte und Musik die Dramatik im Spiel betont. Dass das Gretchen von einer Marionette gespielt wird, sei beabsichtigt, alles andere wäre „sehr unpassend“ gewesen, so Hartmann. Die berühmte Gretchenfrage wird im Stück nicht gestellt; auch endet die Tragödie nicht mit dem Richten, sondern damit, dass sich Faust und Gretchen in Liebe finden und mit dem beginnenden neuen Tag Hoffnung einzieht. Ein Gleichnis, das vielleicht die Suche nach dem wirklichen Sinn des Lebens und einer Zukunft in Glück und Freiheit besser nicht darstellen kann. „Mit diesem Schluss kommt das Vertrauen in die positive Veränderung zum Ausdruck; Buße kann auch einen Wandel bewirken “, so Hartmann. Und sei es eben nur der bekannte Tropfen auf den heißen Stein. Am Donnerstagabend findet in der Justizvollzugsanstalt Hohenleuben die Premiere des Stückes statt, am Freitag, um 18.30 Uhr, können interessierte Bürger im Reußischen Hof die Vorstellung sehen. „Wir hoffen und bangen, dass alles gut klappt und vor allem, dass recht viele Leute zur Aufführung kommen“, wie sich Anke Hartman, sicher auch im Namen der Darsteller, wünscht. Kartenbestellung ausschließlich über die JVA Hohenleuben, Tel.nr. 036622 /500.


19. April 2010 /Vogtland-Anzeiger

Kind in Reichenbach aus dritten Stock gestürzt

Reichenbach – Bei einem Fenstersturz aus dem dritten Stock ist ein Siebenjähriger in Reichenbach am Samstag schwer verletzt worden.

M. T.

Der Junge fiel 15 Meter tief auf einen Betonfußboden, sagte gestern ein Polizeisprecher in Zwickau. Das Kind wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in ein Krankenhaus nach Jena geflogen. Der Gesundheitszustand des Jungen hat sich gestern etwas gebessert. Die Polizei prüft noch, wie es zum Sturz aus dem Dachfenster eines Mehrfamilienhauses kam. Dazu liegen gegensätzliche Aussagen vor. Der Siebenjährige befand sich zum Unfallzeitpunkt allein mit dem ein Jahr jüngeren Bruder in der Wohnung. Wie Anwohner beobachtet haben wollen, sollen die Kinder wassergefüllten Ballons aus dem Fenster geworfen haben. Ob dabei ein Ballon hängenblieb, den der Siebenjähriger fassen wollte, ist offen. Genauso habe es laut Polizei Aussagen gegeben, der Junge sei zum Unfallzeitpunkt auf dem Dach gewesen und von da abgestürzt. „Jeder erzählt etwas anderes. Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen. Alle Aussagen werden geprüft. Die Kriminaltechniker sind vor Ort auf Spurensuche“, hieß es gestern aus dem Lagezentrum der Polizei.


19. April 2010 /Vogtland-Anzeiger

Wenig Zuschauer bei Nationalcirkus in Reichenbach

Reichenbach – Kunststücke und Körperkunst, so kann man das Programm des Chinesischen Nationalcirkus umschreiben, der zum zweiten Mal im Reichenbacher Neuberinhaus gastierte. Dabei konnte der Veranstalter diesmal in keiner Weise an den großen Zuspruch vom Dezember 2008 anknüpfen.

ina

Wurde damals sogar kurzfristig eine zweite Vorstellung am Nachmittag angesetzt, um alle Kartenwünsche erfüllen zu können, so klafften diesmal zahlreiche leere Reihen im Reichenbacher Veranstaltungstempel. Am Rang saß überhaupt niemand. Aber die Zuschauer, die gekommen waren, kamen trotzdem voll auf ihre Kosten. Ihnen präsentierten die Künstler aus dem Reich der Mitte zwei Stunden lang eine Mischung aus Clownerie und atemberaubenden „Verrenkungen“. Fernöstliche Musik umrahmte das Programm. Raoul Schoregge aus Westfalen, der seit vielen Jahren als Veranstalter des Chinesischen Nationalcirkuses auftritt und selbst aus einer alten Zirkusfamilie stammt, wirkt im Programm als Clown mit und sorgt damit für Abwechslung. Seine Aktionen, wenn er heimlich einen Apfel aufisst oder mit voller Wucht gegen eine Wand rennt, wirken echt und kommen beim Publikum sehr gut an. Insgesamt hat die Show das Temperament einer modernen Tanzshow, die Perfektion eines olympischen Turniers, die mentale Kraft meditativer Kampfkunst und zu allem die Poesie des klassischen Balletts. Sehr viel Beifall, immer wieder auch mitten im Programm, belohnte die Akteure auf der Bühne und minderte vielleicht die Enttäuschung über den mageren Zuspruch an der Veranstaltung wenigstens ein bisschen.


19. April 2010 /Antje-Gesine Marsch

Das weiße Gold der Reußen

Das Porzellan der Reußen zog viele interessante Blicke auf sich.
Das Porzellan der Reußen zog viele interessante Blicke
auf sich.

Sonderausstellung in den Museen der Residenzstadt Greiz eröffnet

Text & Bild Antje-Gesine Marsch

Porzellan wird landläufig auch "weißes Gold genannt". Obwohl nur aus drei Bestandteilen - Kaolin (Porzellanerde), Feldspat und Quarz - gefertigt, ist es etwas ganz besonderes, wie Museumsleiter, Rainer Koch, am Sonntagvormittag zur Vernissage im Weißen Saal des Unteren Schlosses sagte. Ein halbes Jahr lang wird man fortan die Sonderausstellung "Porzellan aus Fraureuth - Das weiße Gold der Reußen" in den Museen der Residenzstadt Greiz betrachten können. Fraureuth gehörte bis 1918 zum Fürstentum Reuß Älterer Linie. Die 1865 von Georg Bruno Foedisch und Arved Römer gegründete Porzellanmanufaktur erlangte seinerzeit durch ihre qualitativ hochwertigen Erzeugnisse weltweite Bekanntheit. Obwohl die Nachfrage nach Fraureuter Porzellan auch nach dem 2. Weltkrieg ungebrochen groß war, musste das Unternehmen 1926 Konkurs anmelden. Die Ausstellung erinnert somit an ein Kapitel reußisch-thüringisch-sächsischer Wirtschaftgeschichte. Die Exponate stammen aus den Sammlungen des Greizer Museums, des Stadt-und Dampfmaschinenmuseums Werdau, des Fördervereins Fraureuther Porzellan e.V., sowie den privaten Sammlungen des Greizers, Heiko von Bogen, sowie Albrecht Fischer aus Weida. So wird man neben figürlichen- auch Tierplastiken in naturalistischen Darstellungen entdecken; Deckeldosen, kostümierte Figuren, wie den "Pierrot" oder den "Trauernden Bajazzo", ebenso die "Europa auf dem Stier". Ein würdiger Beitrag der Greizer Museen für das Festjahr zum 250. Jubiläum der Thüringer Porzellanherstellung.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr


19. April 2010 /OTZ

Kurz notiert:

Karikatur des Tages

Zeichnung: OTZ/Bruns
Zeichnung: OTZ/Bruns


Reise-Schau noch bis 15. Mai zu sehen

Die 38 fotografisch aufgearbeiteten Reiseeindrücke der gebürtigen Greizerin Katja Linke sind noch bis zum 15. Mai in der Ausstellung im Greizer Krankenhaus zu sehen.
Foto: OTZ/Christian Freund

Die 38 fotografisch aufgearbeiteten Reiseeindrücke der gebürtigen Greizerin Katja Linke sind noch bis zum 15. Mai in der Ausstellung im Greizer Krankenhaus zu sehen.


Gegen Straßenlaterne

Greiz (OTZ).

Zu einer Unfallflucht kam es am Sonntag im Greizer Feldweg. In der Nacht zum Sonntag, gegen 1.15 Uhr, fuhr ein noch unbekannter Autofahrer mit seinem grauen Pkw Suzuki Swift auf dem Feldweg gegen eine Straßenlaterne. Das Fahrzeug war nicht mehr für den Straßenverkehr zugelassen, vom Fahrer fehlt derzeit noch jede Spur.Die Polizei sucht Zeugen, die sachdienliche Hinweise zum Hergang geben können, Tel.: (03661) 62 10.


Ehrlicher Finder

Plastikbeutel mit Euro- und Cent-Münzen

Greiz (OTZ).

Am Sonnabend gab ein ehrlicher Finder in der Polizeiinspektion Greiz einen Plastikbeutel ab. Darin befanden sich eine Vielzahl von Euro- und Cent-Münzen, die jetzt ihren rechtmäßigen Eigentümer suchen. Gefunden hat er das Geld im Münzeinzahlautomat der Volksbank in Greiz. Der rechtmäßige Besitzer kann sich unter der Telefonnummer (03661) 62 10 bei der Polizei melden.


Labradormischling gefunden

Greiz (OTZ).

In den Abendstunden des vergangenen Donnerstags wurde in der Greizer Neustadt ein schwarzer Labradormischling gefunden. Der freundliche, verspielte Rüde ist etwa fünf Monate alt. Wer vermisst den Junghund oder kennt ihn und seine Besitzer? Kontaktaufnahme bitte mit dem Greizer Tierheim, Tel.: (03661) 64 43.


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